Wir bringen in der nächsten Sitzung des Linzer Gemeinderats einen Antrag für eine neue Straßenbahnlinie ein. Unter dem Titel „5er-Bim“ schlagen wir eine tangentiale Straßenbahnverbindung im Linzer Süden vor. Die Linie soll künftig von der Trauner Kreuzung über Wegscheid, Kleinmünchen und die Simonystraße bis zum Bahnhof Ebelsberg und zum Pichlinger See führen.
Bevölkerungswachstum und die soziale Frage
Linz wächst seit Jahren stark. Während 2009 noch rund 189.000 Menschen in der Stadt lebten, sind es heute etwa 215.000 Einwohnerïnnen. Das entspricht einem Wachstum von rund 26.000 Menschen bzw. etwa 13,5 Prozent. Ein großer Teil dieses Wachstums hat im Linzer Süden stattgefunden. In den Stadtteilen Ebelsberg, Pichling, Kleinmünchen-Auwiesen und Neue Heimat leben mittlerweile über 60.000 Menschen. Gleichzeitig entstehen gerade in Ebelsberg viele neuen Wohnungen. Das bedeutet: Die Bevölkerung im Süden wird in den kommenden Jahren weiter wachsen.
Damit stellt sich auch eine soziale Frage der Stadtentwicklung. Öffentlicher Verkehr ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Wenn neue Stadtteile entstehen und Wohngebiete wachsen, muss auch das Angebot im öffentlichen Verkehr entsprechend mitwachsen. Nur so kann gewährleistet werden, dass Bewohnerïnnen im Linzer Süden eine konkurrenzfähige Alternative zum Auto haben.
Das strukturelle Problem: Die fehlende Querverbindung im Linzer Süden
Das Linzer Verkehrsnetz ist historisch stark radial aufgebaut. Viele Straßenbahn- und Buslinien führen in Richtung Innenstadt oder Hauptbahnhof. Gerade im Linzer Süden führt das zu einem strukturellen Problem. Wer beispielsweise von Ebelsberg nach Kleinmünchen oder von Pichling Richtung Traun unterwegs ist, muss oft Umwege über den Hauptbahnhof oder mehrere Umstiege in Kauf nehmen. In vielen Relationen ist der öffentliche Verkehr deshalb deutlich langsamer als das Auto. Das macht ihn für viele Wege unattraktiv und verstärkt die Abhängigkeit vom motorisierten Individualverkehr. Eine leistungsfähige tangentiale Verbindung, also eine Linie, die Stadtteile quer miteinander verbindet, fehlt bislang. Dieses Problem wollen wir lösen.

Die Idee der „5er-Bim“
Um die strukturelle Lücke im Netz zu schließen, schlägt Ahoi Linz die Entwicklung einer neuen Straßenbahnlinie 5 vor.
Im Vollausbau könnte diese Linie von der Trauner Kreuzung über Wegscheid, Kleinmünchen, die Simonystraße und den Bahnhof Ebelsberg bis zum Pichlinger See führen.
Die Linie hätte mehrere Funktionen:
- tangentiale Verbindung im Linzer Süden
- Verknüpfung von Straßenbahn und S-Bahn
- bessere Erschließung großer Wohngebiete
- Anbindung wichtiger regionaler Verkehrsknoten
Ein besonders wichtiges Element ist dabei die Verbindung zwischen Simonystraße und dem neuen Nahverkehrsknoten Linz-Wegscheid. Dieser Abschnitt könnte als erstes Kernstück umgesetzt werden und würde bereits viele neue Umsteigemöglichkeiten schaffen.
Die Linie würde mehrere dicht besiedelte Wohngebiete erschließen, darunter Teile von Kleinmünchen, Neue Heimat sowie Ebelsberg und Pichling.
Erweiterungsoptionen für das Netz
Ein zentraler Vorteil des Konzepts ist, dass die „5er-Bim“ modular aufgebaut werden kann. Das bedeutet: Die Linie kann schrittweise erweitert werden. Mehrere Erweiterungsoptionen werden bereits mitgedacht:
1. Verlängerung zur Trauner Kreuzung
Eine direkte Verbindung zwischen dem NVK Linz-Wegscheid und der Trauner Kreuzung hätte das Potenzial, die südlichen Stadtteile und Traun deutlich besser miteinander zu verknüpfen. Ebenso entstünde eine Umstiegsrelation zur bestehenden Straßenbahnlinie 3 bzw. 4.
2. Spange über die Lunzer Straße
Eine mögliche Verbindung zwischen Bahnhof Ebelsberg, Lunzer Straße und Simonystraße könnte die Fahrzeiten deutlich verkürzen und gleichzeitig das Industriegebiet besser erschließen.
3. Verlängerung zum Pichlinger See
Eine Verlängerung in Richtung Bahnhof Pichling und Pichlinger See wird seit Jahren diskutiert und könnte den Südpark sowie die Wohngebiete entlang der Traundorfer Straße besser anbinden.
4. Verbindung Richtung Leonding
Auch eine Verbindung vom Nahverkehrsknoten Wegscheid zum Stadtplatz Leonding ist als langfristige Erweiterungsoption denkbar. Ein solcher Streckenast würde eine direkte Umsteigebeziehung zur bestehenden Straßenbahnlinie 3, etwa im Bereich Meixnerkreuzung, ermöglichen und zugleich die im Ausbau befindliche Station Leonding (S-Bahn und LILO) zusätzlich stärken.
Ein wichtiger Baustein des Vorschlags ist der Nahverkehrsknoten Linz-Wegscheid.
Die bestehende S-Bahn-Haltestelle Wegscheid liegt derzeit relativ ungünstig und ist infrastrukturell veraltet. Gleichzeitig verkehren mehrere Buslinien in unmittelbarer Nähe, ohne dass eine direkte Umsteigemöglichkeit besteht. Dadurch entstehen lange Fußwege und eine schlechte Verknüpfung zwischen Bus und Bahn.

Der Vorschlag sieht daher vor, die Haltestelle um rund 300 Meter zu verlegen und als modernen Umsteigeknoten neu zu errichten. Dadurch könnten S-Bahn, Buslinien und künftig auch die Straßenbahn direkt miteinander verbunden werden.
Wichtig ist: Dieser Nahverkehrsknoten wäre auch unabhängig von der 5er-Bim sinnvoll, weil er bereits heute bestehende Buslinien besser mit dem regionalen Bahnnetz verknüpfen würde.
Warum diese Vision jetzt diskutiert werden sollte
Die „5er-Bim“ ist kein fertiges Bauprojekt, sondern zunächst eine Vision. Der Antrag im Gemeinderat fordert deshalb vor allem drei Dinge:
- die Einrichtung einer Arbeitsgruppe „5er-Bim“
- eine vertiefte Prüfung der möglichen Streckenführungen
- eine Analyse der verkehrlichen Wirkung und der Kosten
Ziel unseres Vorschlags ist es, eine fundierte Grundlage für eine öffentliche Diskussion zu schaffen. Denn eines ist klar: Die alten Parteien in Stadt und Land haben den Ausbau des öffentlichen Verkehrs über viele Jahre verschlafen. Während die Bevölkerung im Linzer Süden stark gewachsen ist, hat die verkehrliche Infrastruktur mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten.
Ein leistungsfähiger öffentlicher Verkehr ist keine Luxusfrage, sondern eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Alle Linzerïnnen sollen die Möglichkeit haben, schnell, verlässlich und leistbar mit dem öffentlichen Verkehr durch die Stadt zu kommen.
Die Umsetzung einer solch großen Vision kostet natürlich viel Geld, aber wir können dieses Projekt Schritt für Schritt in modularer Bauweise umsetzen. Investitionen in schienengebundene Infrastruktur stärken nicht nur das Mobilitätsangebot, sondern auch die Krisenfestigkeit unserer Gesellschaft. Projekte wie die „5er-Bim“ sind Teil einer modernen rot-weiß-roten Industriepolitik, weil sie Wertschöpfung schaffen, technologische Kompetenz sichern und gute Arbeitsplätze im Land erhalten.
Vor allem aber geht es um eines: den öffentlichen Verkehr im Linzer Süden endlich deutlich zu verbessern. Mit dem Vorschlag zur „5er-Bim“ wollen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten im Linzer Gemeinderat einen konkreten Beitrag leisten – ganz nach dem Motto: Gerechtigkeit für den Linzer Süden.
Wenn dir diese Vision gefällt, sprich darüber: mit deinen Freundïnnen, mit Arbeitskollegïnnen oder in deiner Familie. Gute Ideen werden stärker, wenn viele Menschen darüber reden.

Links und weiterführende Infos:
- Ahoi-Gemeinderatsantrag: 5er-Bim. Eine tangentiale Straßenbahnlinie für den Linzer Süden.


