Pfandringe sind eine pragmatische Infrastrukturmaßnahme, die das Sammeln leichter, würdevoller und hygienischer machen.
Ein Kommentar von Gemeinderat Clemens Brandstetter, Ahoi Linz

Vor einiger Zeit haben wir im Gemeinderat ein Pilotprojekt für Pfandringe eingebracht. Dieses Pilotprojekt wurde umgesetzt und mittlerweile auch evaluiert. Die Rückmeldung aus der Verwaltung ist klar: Die Pfandringe werden gut angenommen, Pfandgebinde werden regelmäßig abgestellt und in kurzer Zeit eingesammelt, und abgesehen von den Anschaffungskosten entstehen keine nennenswerten Mehrkosten. Der ökologische und soziale Nutzen wird insgesamt positiv bewertet. Das bestätigt unseren Zugang.
Mir ist in dieser Diskussion besonders wichtig, die Pfandringe richtig einzuordnen. Sie sind keine Sozialpolitik und kein Instrument der Umverteilung, sondern eine pragmatische Infrastrukturmaßnahme im öffentlichen Raum. Sie reagieren auf eine Realität, die längst existiert: Menschen sammeln Pfandgebinde. Sie holen Flaschen und Dosen aus Mistkübeln, unabhängig davon, ob es Pfandringe gibt oder nicht. Ohne Ringe führt das häufig zu hygienisch problematischen Situationen, zu zerbrochenen Glasflaschen neben Abfallbehältern oder zu Dosen, die vom Wind verweht werden. Mit Pfandringen wird das Sammeln einfacher, würdevoller und sauberer organisiert, und gleichzeitig bleibt der öffentliche Raum sauberer.
In der Debatte wurde vom Wiener-SPÖ Stadtrat Jürgen Czernohorszky argumentiert, Pfandringe seien sozial nicht treffsicher, weil auch nicht sozial benachteiligte Personen Pfand sammeln könnten und daher sozial benachteiligte Menschen nicht zwingend profitieren würden. Dieses Argument verkennt aus meiner Sicht die Funktion der Maßnahme. Es handelt sich hier nicht um ein Sozialprogramm, das eine bestimmte Zielgruppe adressieren oder Einkommensunterschiede ausgleichen soll. Es geht darum, eine bestehende Praxis im öffentlichen Raum besser zu organisieren. Ob jemand sammelt, entscheiden die Menschen selbst. Die Pfandringe ändern nichts an der Einkommensverteilung, sie schaffen lediglich eine würdigere und hygienischere Möglichkeit, Pfandgebinde zu entnehmen.
Zugleich sollte man nicht unterschiedliche Ebenen vermischen. Gesellschaftlicher Wohlstand muss durch kluge Wirtschaftspolitik und eine faire Verteilung der erwirtschafteten Gewinne gesichert werden. Armut und individuelle Notlagen sind Aufgabe eines starken Sozialstaats mit funktionierenden sozialen Sicherungssystemen. Die Gestaltung des öffentlichen Raums hingegen ist Aufgabe der Stadt. Pfandringe lösen keine strukturellen sozialen Probleme, aber sie tragen dazu bei, dass Menschen, die sammeln, nicht gezwungen sind, Mistkübel zu durchwühlen, und dass Glasbruch, Vermüllung und unnötige Nutzungskonflikte reduziert werden.
Hinzu kommt, dass das Sammeln für manche Menschen eine informelle, unabhängige und autonom gestaltbare Tätigkeit darstellt, mit der sie sich ohne fixe Arbeitszeiten und ohne Hierarchien ein zusätzliches Einkommen verschaffen können. Man sollte diese Realität nicht romantisieren, aber man sollte sie ernst nehmen. Wenn gesammelt wird, dann ist es nur konsequent, diese Tätigkeit durch eine einfache und kostengünstige Infrastrukturmaßnahme zu erleichtern, zumal gleichzeitig mehr Verpackungsmaterial dem Recyclingkreislauf zugeführt wird und das Littering tendenziell zurückgeht.
Aus all diesen Gründen sprechen wir uns für einen kontinuierlichen Ausbau der Pfandringe an stark frequentierten Standorten in Linz aus, dort wo eine engmaschige Betreuung gewährleistet ist und die Maßnahme sinnvoll funktioniert. Ebenso wichtig ist eine laufende Information und Aufklärung, damit die Pfandringe nicht zur Ablagerung von Bechern oder Gebinden ohne Pfand missbraucht werden. Das Pfandsystem und die Pfandringe haben sich bereits in der Alltagskultur etabliert, neue Gewohnheiten sind entstanden. Jetzt geht es darum, durch kontinuierliche Kommunikation und klare Regeln sicherzustellen, dass diese pragmatische Infrastrukturmaßnahme langfristig gut funktioniert und von allen mitgetragen wird.
Pfandringe sind kein Allheilmittel, aber sie sind ein konkretes Beispiel dafür, wie man mit einem Mandat im Gemeinderat konstruktive und bleibende Verbesserungen im Alltag der Menschen bewirken kann.

Weiterführende Links und Informationen:
- Anfragebeantwortung Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger: „Evaluierung des Pilotprojekts Pfandringe und Auswirkungen des Pfandsystems auf städtische Abläufe“ (PDF) (06.02.2026)
- Blog-Beitrag von Ahoi Linz: „Pfandringe – Pilotprojekt erfolgreich initiiert“ (11.08.2025)
- Blog-Beitrag von Ahoi Linz: „1 Jahr Pfandringe in Linz: Wie geht’s weiter?“ (05.12.2025)
- Artikel auf derstandard.at: „Mehr als 200.000 Menschen sammeln Pfand im öffentlichen Raum“ (11.02.2026)
- ORF-Sendung: „Am Schauplatz: Pfandsammeln“ (27.11.2025)
- Beitrag in FRO to Go – via DorfTV: „Pfandringe: Straßenumfrage in Linz“ (29.05.2025)


