Stolz verkündete Vizebürgermeister und Verkehrsstadtrat Hajart am 12. Dezember den Halbstundentakt der Westbahn nach Wien, Pressefoto inklusive. Das Bild zeigt sehr schön, dass Hajart sich gerne mit fremden Federn schmückt, während bei den Aufgaben, für die er verantwortlich ist, wenig bis nichts vorangeht. Darunter leiden die Linzerinnen, die täglich auf die Öffis angewiesen sind oder mit dem Rad zur Arbeit fahren.
Ein Kommentar von Tobias Watzl, Mobilitätssprecher von Ahoi Linz
„Gratulation Herr Hajart! Die Westbahn fährt nun genau so oft nach Wien wie die Straßenbahn am Sonntag nach Auwiesen.“
Groß hat Hajart 2022 versprochen den Radverkehr zu stärken. Zwar gibt es mittlerweile ein Radverkehrskonzept, welches unserem Wahlplakat zum verwechseln ähnlich sieht, umgesetzt wurde aber selbst von den dringenden Maßnahmen bisher kaum etwas. Lediglich in der Lederergasse gibt es einen neuen Radweg, der mangelhaft umgesetzt wurde. Auch die Fahrradstraße in der Schumannstraße zeigt zwei Jahre nach ihrer Einrichtung kaum Wirkung. Eine sichere Radroute ist dort bis heute nicht entstanden. Mit einfachen Maßnahmen wie besserer Beschilderung oder einem Diagonalfilter, um illegales Durchfahren zu verhindern, ließe sich im eigenen Zuständigkeitsbereich rasch etwas verbessern. Stattdessen schmückt sich der Mobilitätsstadtrat lieber mit fremden Federn wie dem neuen Westbahn-Fahrplan.
Mit den geschlossenen Lücken im Takt der Westbahn gibt es nun fast durchgängig vier Züge pro Stunde nach Wien. 2x ÖBB und 2x Westbahn-Züge. Eine Anbindung, von der man in Auwiesen oder der Neuen Heimat nur träumen kann. Die Straßenbahnlinie 1 fährt in Auwiesen am Sonntagvormittag nur alle 30 Minuten. Selbiges gilt für die Linie 2 in Ebelsberg sowie die O-Bus-Linien 41 und 43 ganztägig. Solche Fahrpläne sind in einer Großstadt wie Linz nicht zeitgemäß, wenn man die Mobilitätswende ernsthaft vorantreiben möchte. Von fehlenden öffentlichen Verbindungen in die Umlandgemeinden wie Leonding oder Traun gar nicht zu reden. Zum Vergleich: Die Traunseetram in Gmunden fährt auch an Sonntagen alle 15 Minuten. In einer Stadt mit ca. 13.000 Einwohnern. Dabei wären die Stadtteile Neue Heimat mit 14.000 und Ebelsberg mit knapp 11.000 Bewohnern vergleichbar in der Größe, der Stadtteil Kleinmünchen-Auwiesen mit 23.000 Bewohnern sogar fast doppelt so groß. Ein Antrag von uns für bessere Takte an den Wochenenden und Tagesrandzeiten wurde leider blockiert, auch von der ÖVP.


Zwar hat Vizebürgermeister Hajart kürzlich die Initiative für die Schnellbuslinien 13 und 14 ergriffen, dieses Vorhaben ist ihm anzurechnen. Es löst das Problem jedoch nur teilweise, da die beiden Linien vor allem Pichling versorgen. Auch für Kleinmünchen-Auwiesen, Ebelsberg und die Neue Heimat braucht es endlich zeitgemäße Verkehrslösungen.
Das Muster ist erkennbar: Herr Hajart stellt sich gerne hin und zelebriert Erfolge, auch wenn diese gar nicht in seinem Verantwortungsbereich liegen. Die wirklich harten Nüsse, die dringend zu erledigen wären, wie ein besseres Radnetz und bessere Öffis in Linz, werden hingegen sträflich vernachlässigt. Ergebnisse aus Konzepten bleiben liegen und werden nicht umgesetzt. Ein Trauerspiel, unter dem die Linzer Bevölkerung leidet. Linz braucht einen Kurswechsel in der Verkehrspolitik und eine Verkehrsstadtrat, der seinen Job ernst nimmt.
Links und weiterführende Infos:
- tips.at: „Im Halbstundentakt mit der Westbahn von Linz nach Wien“ (12.12.2025)


