Wenn Sponsoring zur politischen Dauerfinanzierung wird

Foto: Ahoi Linz (Montage)

Foto: Ahoi Linz (Montage)

Millionen aus öffentlichen Unternehmen fließen Jahr für Jahr an zwei Linzer Profi-Fußballklubs. Was als Werbung etikettiert wird, ist in Wahrheit eine maßlose Überförderung – während Energiepreise steigen, Infrastruktur leidet und andere Sportarten leer ausgehen.

Eine Wortmeldung von Clemens Brandstetter in der 36. Linzer Gemeinderatssitzung.

Zum Nachsehen: 36. GR-Sitzung, Tagesordnungspunkt G1. Abschluss von Sponsoringverträgen mit dem Linzer Athletik Sport Klub und der Blau-Weiß Linz Sport GmbH insgesamt 400.000 Euro (Wortmeldung Clemens Brandstetter ab Min. 02:05:47)

Ich bin Fußballfan, gehe gerne ins Stadion und ich freue mich über die Renaissance der Linzer Fußballkultur. Für viele Menschen ist Fußball Teil ihrer Identität, ein Stück Alltag, Leidenschaft und Gemeinschaft.

Und trotzdem, um es mit Goethe zu sagen, zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust. Denn so sehr ich Fußball mag, so klar muss ich auch sagen: Diese Überförderung des LASK und von Blau-Weiß hat jegliches Maß und Ziel verloren.

Der LASK und Blau-Weiß Linz erhalten im österreichweiten Vergleich zu anderen Fussballvereinen mit Abstand am meisten Geld aus der öffentlichen Hand. Entweder direkt durch die Stadt, oder indirekt durch Unternehmen im Besitz der öffentlichen Hand.

Das ist unfair gegenüber anderen Fußballvereinen. Das ist aber vor allem unfair gegenüber anderen Sportarten und unfair gegenüber jenen Bevölkerungsteilen, die nicht so viel anfangen können mit König Fussball.

Liste der öffentlichen Unternehmungen

Wir stimmen hier heute über 200.000 Euro pro Verein ab. Das klingt nach viel Geld, ist aber im Vergleich zu dem, was LASK und Blau Weiß aus öffentlichen Unternehmen erhalten, schlicht Peanuts. Im Herbst des vergangenen Jahres hat der Ballesterer unter dem Titel „Linzer Branchenführer“ detailliert offengelegt, wie üppig diese sogenannten Sponsorings tatsächlich sind. Wer es noch genauer wissen will, kann die Geldflüsse auch bei der Kommunikationsbehörde Austria nachlesen.

Beim LASK reden wir über zum Beispiel 1,7 Millionen Euro von der Energie AG, über Direktzahlungen des Landes Oberösterreich, über Beteiligungen von Landestourismus, Eurothermen, Wirtschaftsagentur, Flughafen Linz, Hypo Landesbank, Oberösterreischische Versicherung und nicht zuletzt über die Linz AG.

Bei Blau-Weiß fließen ebenfalls erhebliche Mittel, unter anderem von der Linz AG und vom Flughafen Linz. Die Linz AG ist mit fast 3 Millionen Euro für Blau Weiß und über 900.000 Euro für den LASK der größte Einzelsponsor der Bundesliga. Und da darf man schon fragen, wie das zusammenpasst, wenn die hohen Energiepreise ein beträchtliches Problem, insbesondere für einkommenschwächere Haushalte sind.

Wir wissen auch, dass nicht nur der laufende Betrieb sondern auch die Stadien mit massiver öffentlicher Unterstützung errichtet wurd bzw. im Fall des Donauparkstadions ist es ein städtisches Stadion und diese Vereine dadurch massiv profitieren. Wenn man all das zusammennimmt, dann ist diese Verausgabung öffentlicher Mittel für diese zwei Vereine in einer Dimension, die jedes Maß und jede Relation sprengt, die kaum ernsthaft zu bestreiten ist.

Politische Steuerung, Nicht Sponsoring

Von den Pressestellen in den betroffenen öffentlichen Unternehmen wird sinngemäß argumentiert, es handle sich hier um marktübliche Sponsoringverträge mit entsprechendem Werbewert. Doch dieses Argument ist Humbug.

Der behauptete Werbewert steht in keiner Relation zu den Summen, die an diese Vereine fließen. Ein österreichweiter Vergleich zeigt klar, dass hier die mit Abstand höchsten Summen ausgegeben werden. Was wir sehen, ist keine Werbung, sondern eine politisch gesteuerte Dauerfinanzierung des laufenden Betriebs von zwei Profiklubs.

Auch die Episode, über welche die OÖN am 31.10.2025 berichtet hat spricht eine klare Sprache. Nämlich dass der Direktor des Flughafen Linz laut einer vorliegenden Aktennotiz erklärt hat, dass er generell das Sponsoring (Kultur und Sport) aufgrund der aktuellen Finanzlage einstellen müsse. Es ging dabei laut Notiz um 467.000 Euro jährlich. Trotzdem wurde das so genannte Sponsoring fortgesetzt und das obwohl der Flughafen wie wir wissen in schwierigen Turbulenzen ist.

Alle, die so tun als wäre dies „ganz normales Sponsoring“ sollten meiner Ansicht nach hinterfragen, ob dies tatsächlich eine aufrichtige Behautpung ist. Und all jene, die in politischer Verantwortung sind, sollten den Anstand haben und diese Entscheidungen und die Verantwortung nicht auf die Marketingabteilungen abschieben.

50.000 Euro schweres Gerücht – Moral

Pikant ist auch, dass sich – laut einem Bericht der OÖ Nachrichten –  LASK-Chef Siegfried Gruber ein Monatsgehalt von 50.000 Euro auszahlt. Das ist eine Zahl, die ich nicht überprüfen kann, aber es wurde auch nicht dementiert. Wenn man das mal 14 rechnet, ist man bei 700.000 Euro. Das wäre wesentlich mehr als der Bürgermeister verdient, mehr als der Bundeskanzler bekommt und im Vergleich etwa so viel wie der ÖBB-Konzernchef bezieht, der für 45.000 Mitarbeiterïnnen verantwortlich ist. Das die ÖBB für das Funktionieren unserer Gesellschaft wesentlich wichtiger ist als der LASK, glaube ich wird auch selbst der fanatischste LASK-Fan nicht bestreiten.

Wenn diese Zahlen auch nur annähernd wahr sind und wir in Betracht ziehen, dass der LASK sich durch einen beträchtlichen Teil durch öffentliche Mittel finanziert, dann halte ich das für eine schamlose private Bereicherung auf Kosten der Öffentlichkeit.

Spitzenparkplätze (Foto: Ahoi Linz)
Spitzenparkplätze (Foto: Ahoi Linz)

Fazit und Forderung

Um zum Schluss zu kommen: öffentliche Daseinsvorsorge muss primär der gesamten (!) Bevölkerung dienen und ihre Kernaufgaben mit dem Anspruch der Exzellenz erfüllen. Ihre Marketingbudgets dürfen nicht als Vehikel für politische Imagepflege und private Profite missbraucht werden.

Und öffentliche Unternehmen sollen das tun, wofür sie da sind: Faire Preise verlangen, für verlässliche Infrastruktur sorgen und gute Services für die Bevölkerung leisten. Und daher fordere ich ein Stopp dieser maßlosen Überförderung. Wir brauchen hier eine klare Kurskorrektur und eine Neuordnung der Prioritäten.

Nicht weil ich grundsätzlich gegen diese Form der strategischen Werbepartnerschaften bin, aber als Zeichen des kleinen Protests stimme ich gegen diesen Antrag.


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