Braucht Linz einen Stadtplatz im Linzer Süden?

In der 42. Gemeinderatssitzung bringen wir einen Antrag ein, in dem wir die städtebauliche Kommission mit der Frage ob der Linzer Süden ein eigenständiges Zentrum und einen Stadtplatz braucht. Darüber hinaus wollen wir ein Stadtlabor im historischen Zentrum von Kleinmünchen anzustoßen.

Stadtplätze und gut gestaltete öffentliche Räume machen aus reinen Wohnsiedlungen einen lebendigen städtischen Raum und sind die Basis für Begegnung, ein urbanes Lebensgefühl und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dieser Unterschied zwischen reinen Wohngebieten und städtischen Räumen ist gerade im Linzer Süden sehr gut zu beobachten. In vielen Bereichen des täglichen Lebens ist der Linzer Süden aufgrund historischer Entwicklungen aber auch politischer Versäumnisse benachteiligt. Etwa wenn es um verkehrliche Infrastruktur, kulturelles Angebot und auch Gesundheitsangebote geht. Auch hinsichtlich identitätsstiftender und qualitätsvoller urbaner Räume mit den damit einhergehenden Qualitäten ist der Linzer Süden unterversorgt. In Gesprächen mit Anwohnerïnnen wird dieser Mangel immer wieder geäußert. Die zentrale Frage dieses Antrags lautet daher: Bräuchte eine ‚langgezogene‘ Stadt wie Linz nicht gerade im Süden ein eigenes Zentrum und eine Art „zweiten Hauptplatz“ für den Süden der Stadt? Mit dieser Frage wollen wir die städtebauliche Kommission befassen.

Warum Kleinmünchen?

Warum sollte ausgerechnet das historische Zentrum von Kleinmünchen eine Zentrumsfunktion für den Linzer Süden erfüllen und nicht etwa der Ortskern von Ebelsberg, der Wüstenrotplatz in Auwiesen oder ein Bereich der Neuen Heimat? In unserer Wahrnehmung liegt das Zentrumspotential Kleinmünchens in a) der Kombination aus günstiger Lage im Stadtgefüge, b) in der bestehenden Substanz und c) in der vorhandenen sozialen Infrastruktur und damit einhergehenden möglichen Entwicklungen.

a) Günstige Lage im Stadtgefüge. Das historische Zentrum von Kleinmünchen liegt eingebettet zwischen dem Wasserwald im Norden und der Traun im Süden sowie zwischen dicht besiedelten Wohngebieten. Vor allem aber liegt das historische Zentrum Kleinmünchens weit genug von den bestehenden Hauptzentren (Innenstadt, dem einkaufsstraßenartigen Abschnitt der Wiener Straße im Bulgariplatzviertel) entfernt, um als eigenständiger Mittelpunkt seines Umfelds wirken zu können.

b) Auf Bestehendem aufbauen. Kleinmünchen verfügt über einen historisch gewachsenen Ortskern mit langer Geschichte und einer bereits ausgeprägten Kernzone. Diese Struktur kann behutsam weiterentwickelt und die historische Bausubstanz dabei so weit wie möglich erhalten werden, um die von ihr geprägte Atmosphäre und Identität des Ortskerns zu bewahren und weiterzutragen. Ebenso ist das historische Zentrum bereits heute funktional gut ausgestattet: Schule und Kindergarten, Gastronomie, Volkshaus, ein Einkaufszentrum und diverse kleine Läden, Apotheke, Grünmarkt, Adventmarkt, Kirche, Fußballverein, Parks und Spielplätze, Kinderfreibad, etc. sind vorhanden.

c) Entwicklungsperspektiven. Das Hochhausprojekt der Wohnungsgenossenschaft Lebensräume an der Dauphinestraße sowie die geplante Bebauung in der Franz-Kurz-Straße durch die GWG wird das historische Zentrum weiter verdichten. Auch ein Gesundheitshaus könnte die Zentrumsfunktion Kleinmünchens stärken. Mit Blick auf den angestrebten Ausbau der Gesundheitsversorgung im Linzer Süden wurde die Dauphinestraße 54, das ehemalige „Kaufhaus Josef Schmid“, bereits als möglicher Standort ins Gespräch gebracht. 

Untersuchungsgebiet & Stadtplatz

Ohne eine genauere Abgrenzung vorwegzunehmen, schlagen wir – gestützt auf die oben genannten Gründe – das historische Zentrum Kleinmünchens als geeignetes Untersuchungsgebiet für ein Zentrum für den Linzer Süden vor. Als Vorschlag für eine vertiefte Untersuchung eines möglichen „Stadtplatz Kleinmünchen“ erscheint der Raum zwischen der Hinterseite des EKZ Kleinmünchen, den Straßenbahngleisen und dem Volkshaus geeignet.

Er verbindet eine zentrale Lage im Stadtgefüge von Kleinmünchen und dem Linzer Süden mit einer guten Erreichbarkeit zu Fuß, per Rad, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem MIV. Die umgebende Nutzungsmischung aus Wohnen, Gastronomie und Handel begünstigt eine lebendige und vielfältige Platznutzung. Zudem ist der Raum vom Durchzugsverkehr weitgehend frei, wodurch es keine Konflikte mit dem motorisierten Verkehr gibt. Die klare räumliche Fassung, die ausgewogene Relation von Platzfläche und Gebäudehöhe sowie die geringe Zahl unmittelbarer Anwohnerïnnen sprechen ebenfalls für die Eignung als Stadtplatz.

Stadtlabor

Komplementär zur Untersuchung durch die städtebauliche Kommission wird ein Stadtlabor als partizipativer, niederschwelliger Prozess vor Ort vorgeschlagen. Gemeinsam mit lokalen Akteuren (z. B. Stadtteilzentrum Kleinmünchen, KLiKK, Volkshaus Kleinmünchen) könnten kleinere Interventionen (z. B. Aktivierung des Brunnens beim Volkshaus Kleinmünchen, temporäre Stadtmöbel und Begrünung) sowie temporäre Nutzungen (z. B. ein Sommerkino, ein Wasserspiel wie am Pfarrplatz) umgesetzt werden. Ziel ist es, die Gewohnheiten und Bedürfnisse der Menschen vor Ort kennenzulernen und die Erfahrungen aus den erprobten Nutzungen in die weiteren Untersuchungen und Planungen einfließen zu lassen.

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